fehlende Souveränität Russlands: Bislang kassierte der russische Staat Zölle in US-Dollar

Manuel H. @, Sonntag, 03.07.2022, 12:21 vor 47 Tagen 2905 Views

Wer als Russe etwas exportieren will, muss dafür Export-Zölle an den russischen Staat entrichten. In welcher Währung? Natürlich in der Währung des Feindes, man ist ja schließlich eine Bananenrepublik und hat deswegen nur Micky-Maus-Geld. Vermutlich war das auch zu Sowjet-Zeiten so.

Hat seit gerade Putin geändert.

Erinnere mich an DDR-Republikflüchtlinge, die irgendwo in Jugoslawien gestrandet, ihre ungarischen Forint in Dinare wechseln wollten und die Bank im kommunistischen Ostblock erst alle Ost-Devisen in US-Dollar umwechselte, um sie dann in die gewünschte neue Ost-Devise zu tauschen.

https://test.rtde.tech/wirtschaft/142539-weiterer-schritt-zum-handel-ohne-dollar/

Sonderbarer Titel und Text.

nereus @, Sonntag, 03.07.2022, 12:39 vor 47 Tagen @ Manuel H. 2264 Views

Hallo Manuel!

So richtig schlau werde ich aus Deinen Thesen manchmal nicht.
Was Du dazu schreibst, klingt anders, als es der verlinkte Artikel es ausdrückt.

Wir lesen dort u.a.: Die russische Regierung hat in der dieser Woche die Berechnung von Exportzöllen für Getreide auf Rubel umgestellt. Damit wird Risiken durch Währungsschwankungen vorgebeugt. Zugleich geht Russland damit einen weiteren Schritt zur "Entdollarisierung" seines Außenhandels.
..
Durch die Umstellung der Berechnungen der Zölle auf Rubel wird zumindest die Erfüllung der staatlichen Haushaltsplanung ermöglicht. Zugleich wird auch ein Anreiz für die Getreide exportierenden Unternehmen geschaffen, ihre Preisberechnungen ebenfalls komplett auf Rubel umzustellen und von den Kunden Zahlungen in der Landeswährung zu verlangen.

Quelle: https://test.rtde.tech/wirtschaft/142539-weiterer-schritt-zum-handel-ohne-dollar/

Ja, die Abhängigkeit vom US-Dollar existierte und diese wird nun Schritt für Schritt zurückgefahren.

Der Titel hätte dann z.B. lauten können:
Rußland holt sich seine Souveränität zurück und verlangt in Zukunft Rubel für seine Zollgebühren.
Bei Dir klingt das aber ganz anders.

Ist das Absicht oder ein Versehen? [[hae]]
Ich frage nach, weil mir das inzwischen bei mehreren Artikeln auffiel, wo sich These und Inhalt nicht wirklich deckten.

mfG
nereus

ich versuch mal eine Antwort

Manuel H. @, Sonntag, 03.07.2022, 12:56 vor 47 Tagen @ nereus 2086 Views

Irgendwann hatte ich mal gelesen, dass Mao und Stalin ein Handelsabkommen schlossen:
russische Schwerindustrieanlagen gegen Rohstoffe (Weizen oder so)
Die Sowjetunion war ja bis in die 80er von Weizenimporten aus den USA abhängig, da deren Kolchosen in diesem fruchtbaren Riesenland nicht mal für Eigenversorgung taugten.
Anstatt die beiden Handelsgüter einfach nur zu bartern, wurde ein Geldabkommen geschlossen, natürlich in US-Dollar, womit ein demütiger Gang zur Wallstreet verbunden war, wo dann das US-Kapital die Zinsbedingungen, Laufzeiten usw. diktierten.
Wie souverän war das denn?

Und das sollen Gegner gewesen sein? Insofern ist die Zoll-Entscheidung Putins in der Tat ein Dammbruch, meines Erachtens auch eine klare Ansage an den deep state. Das hätte ich vielleicht deutlich schreiben sollen.
Dass es aber diese Anstrengungen erst nach zigtausend Sanktionen gibt, gibt mir zu denken. Nimmt eigentlich die BRD ihre Zölle auch nur in US-Dollar an?

Meines Erachtens zeigen die Geldbedingungen die wahren Machtverhältnisse und Verflechtungen. Dort ist aber regelmäßig ein schwarzes Loch in jeglicher Berichterstattung. Es ist doch eigentlich unglaublich, dass ein russischer Unternehmer erst einmal in einem fremden Land Devisen-Kredite aufnehmen muß, um offiziell erlaubt ein Handelsgut aus Russland exportieren (wohl auch importieren) zu dürfen. Wer denkt sich sowas aus?

Denkfehler im Barter-Gedankengang

paranoia @, Die durchschnittlichste Stadt im Norden, Sonntag, 03.07.2022, 14:39 vor 47 Tagen @ Manuel H. 1593 Views

bearbeitet von paranoia, Sonntag, 03.07.2022, 14:45

Irgendwann hatte ich mal gelesen, dass Mao und Stalin ein Handelsabkommen schlossen:
russische Schwerindustrieanlagen gegen Rohstoffe (Weizen oder so)
Die Sowjetunion war ja bis in die 80er von Weizenimporten aus den USA abhängig, da deren Kolchosen in diesem fruchtbaren Riesenland nicht mal für Eigenversorgung taugten.
Anstatt die beiden Handelsgüter einfach nur zu bartern, wurde ein Geldabkommen geschlossen, natürlich in US-Dollar, womit ein demütiger Gang zur Wallstreet verbunden war, wo dann das US-Kapital die Zinsbedingungen, Laufzeiten usw. diktierten.
Wie souverän war das denn?

Das glaube ich nicht, denn Deine beschriebene Vorgehensweise ist wirtschaftlich gesehen absolut sinnlos.
Was soll ein "Geldabkommen" sein?
Niemand der Handelspartner muss sich verschulden, denn er liefert ja für seinen Erwerb statt Geld Ware.

Es gab damals einen Marktpreis für Weizen (z.B. in USD), aber der Preis einer "russischen Schwerindustrieanlagen" (z.B. in USD) existierte einfach nicht.
Einigt man sich auf einen Preis für die Industrieanlage, kann man auf Basis des Marktpreises für Weizen auch die erforderliche Weizenliefermenge bestimmen.
Zahlungen werden erst dann erforderlich, wenn der Wert des gelieferten Weizen den Kaufpreis nicht deckt oder anders herum.

Gruß
paranoia

--
Ich sage "Ja!" zu Alkohol und Hunden.

2008..... als der große Bruder die hauptsächlich in Europa tätigen Lehman Brothers pleite gehen ließ.....

Olivia @, Sonntag, 03.07.2022, 15:13 vor 47 Tagen @ paranoia 1708 Views

da reiste unsere viel gescholtene Kanzlerin nach Russland, in die arabischen Staaten und nach China, um D vor dem kompletten Absturz zu retten. Zu dieser Zeit soll man auch an Barter-Systemen gearbeitet haben..... Plan B also. War damals aber nicht nötig. Die Araber beteiligten sich an Daimler und im Zusammenspiel mit den anderen hat die EU das dann überlebt.

Heute haben wir das Baerböckchen, das alles "abliest"... sie hat sich schon gebessert mit dem Lesen. Vieles geht auch bereits ohne Papier. Und Habeck macht Punkte, weil er der "Bevölkerung" seine "Gefühle" zeigt. Als ob wir uns derzeit in einer riesigen "Selbsterfahrungsgruppe" befinden..... aber vielleicht tun wir das ja.

--
For entertainment purposes only.

Lieferungen über Zeit

Manuel H. @, Sonntag, 03.07.2022, 17:29 vor 47 Tagen @ paranoia 1209 Views

Eine Partei lieferte zuerst, die andere erst später. Das machte Kreditierung in Geld notwendig?

In der Bepreisung der getauschten Handelsgütern war ein Profit für die eine oder andere Partei versteckt, mit dem Devisenschulden getilgt oder andere Waren gegen Devisen erworben wurden?

Denkfehler im Barter-Gedankengang II

paranoia @, Die durchschnittlichste Stadt im Norden, Sonntag, 03.07.2022, 21:50 vor 47 Tagen @ Manuel H. 729 Views

Hallo Manuel H.,

Eine Partei lieferte zuerst, die andere erst später. Das machte Kreditierung in Geld notwendig?

Wenn eine Partei später liefert, kann Sie das immer, solange die andere das Ausfallrisiko der Lieferung tragen will.
Wenn hier plötzlich jemand eine Geldsicherheit stellen muss, hat das mit meinem rudimentären Verständnis von Bartergeschäften nichts mehr zu tun.

In der Bepreisung der getauschten Handelsgütern war ein Profit für die eine oder andere Partei versteckt, mit dem Devisenschulden getilgt oder andere Waren gegen Devisen erworben

wurden?

???
Oh je!

Barter-Transaktionen laufen doch ohne Geldzahlungen ab.
Mit einer Barter-Transaktion kann man keine Devisenschulden tilgen oder Waren erwerben, weil kein Geld fließt.
Und wenn Geld fließen würde, käme der Zahlbetrag gleich zurück.

Du vermischt hier die Merkmale einer Barter-Transaktionen mit davon unabhängigen anderen Sachverhalten.

Gruß
paranoia

--
Ich sage "Ja!" zu Alkohol und Hunden.

Es wurde eben nicht gebartert

Manuel H. @, Sonntag, 03.07.2022, 22:08 vor 47 Tagen @ paranoia 686 Views

Eigentlich hätten sie bartern können, denn weder der Yuan noch der Rubel waren in kommunistischen Zeiten Währungen, die für Auslandszahlungen und wenn auch nur bilateral zwischen kommunistischen Mächten tauglich.
Hätten sie gebartert, hätten sie einfach Industrieanlagen gegen Rohstoffe getauscht, ähnlich wie es das Deutsche Reich mit Südamerika machte, als jüdische Organisationen einen wirksamen Boykott gegen das Deutsche Reich durchsetzten.
Da wurde Kupfer aus Chile gegen Maschinen aus Deutschland gebartert, sehr zum Missfallen der City of London.

Hier wurde aber eben nicht gebartert, sondern der Deal über eine Wallstreet Bank abgewickelt, was umso erstaunlicher ist, als wir uns in einer Zeit bewegen, in der der Kalte Krieg jederzeit hätte atomar werden können.

Warum haben beide kommunistische Parteien den Deal über kapitalistische Feindbanken finanzieren lassen?

Ist mir genauso unverständlich wie einen russischen Unternehmer zu zwingen, staatliche Export-Zölle an seine eigene Regierung in US-Devisen bezahlen zu müssen, für die er auch erst mal zur Wallstreet latschen muß, um sich dort zu verschulden. Und das war offensichtlich zu meinem Erstaunen in Russland Praxis bis 2022.

Nicht fehlende Souveränität, sondern im Gegenteil Beweis FÜR Souveränität! Du bringst da wieder mal bissele was durcheinander

Mephistopheles @, Datschiburg, Sonntag, 03.07.2022, 14:38 vor 47 Tagen @ Manuel H. 1893 Views

bearbeitet von Mephistopheles, Sonntag, 03.07.2022, 14:42

Wer als Russe etwas exportieren will, muss dafür Export-Zölle an den russischen Staat entrichten. In welcher Währung? Natürlich in der Währung des Feindes, man ist ja schließlich eine Bananenrepublik und hat deswegen nur Micky-Maus-Geld. Vermutlich war das auch zu Sowjet-Zeiten so.

Eben. Souveränität endet bei den Landesgrenzen. Wenn du etwas ex- oder importieren willst, dann muss eben ein Vertrag zwischen 2 souveränen Nationen geschlossen werden, weil die Gültigkeit der Währung endet an den Landesgrenzen. Wie will man die gegenseitigen Währungen jeweils bewerten?

Anders bei Kolonien. Die verwenden immer die Währung des Landes, dessen Kolonie sie sind, entweder direkt; oder ihre Währung ist konvertibel. Zum Beispiel der Dinar, der eigentlich die Währung des römischen Reiches war, ist heute noch bei den Arabern gültig oder der Euro, der eben konvertibel ist zum $. D.h., der € kann jederzeit in $ umgerechnet werden. Im Prinzip ist es egal, ob man € oder $ in der Tasche hat; mit dem Ergebnis (das wird man dann aber zu seiner größten Überraschung bmerken, wenn der $ verfällt), ist der € genau so dran. Da hilft auch keine DM nicht, weil die ist von Beginn an an den $ gebunden.

Aber, weiter zu 2 souveränen Ländern, die miteinander Handel betreiben wollen. Wie sollen sie das machen?
Sie brauchen einen Referenzpunkt. Entweder nehmen sie Gold oder Silber oder beliebige Rohstoffe oder eine allgamein bekannte Währung als Referenz.
Wenn zwei Germanen untereinander Handel treiben wollten, dann war es nahelieged, dass sie sich auf römische Denare als Verrechnungseinheit einigten, weil die so bekannt waren. Das bedeutete aber nicht, dass die Germanen eine Kolonie Roms waren.

Wir dagegen haben uns schon so sehr daran gewöhnt, Kolonie zu sein, dass uns das normal vorkommt. Innerhalb der Kolonien funktioniert der Handel natürlich auf der Basis der Währung des Machthabers. Dabei haben wir vergessen, dass 2 souveräne Länder, die nicht im Machbereich eines anderen liegen, wenn sie miteinander Handel treiben wollen, jeweils ein fundamentales Problem haben.

Gruß Mephistopheles

--
Wenn wir nicht das Institut des Eigentums wiederherstellen, können wir nicht umhin, das Institut der Sklaverei wiederherzustellen, es gibt keinen dritten Weg. Hillaire Belloc

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