Demobericht: Marburg

Geminus @, Hessen, Samstag, 22.01.2022, 22:36 vor 166 Tagen 2481 Views

Marburg ist geistig ähnlich verfasst wie Gießen: Uni, "Geistes"-"Wissenschaften", Beamte, soziale Träger. Dazu noch die Behring-Werke, die v.a. per Impfstoffproduktion das Stadtsäckel reichlich füllen und als Sahnehäubchen traditionell eine starke DKP.
Heute Demo - war angemeldet. Auflagen noch und nöcher: Maskenpflicht, Abstand 1,5m, vom Maskentragen Befreite (mit Attest / Kinder) als gesonderter Block hintendran mit 5m Abstand zum Rest und 3m zueinander. Lächerlich!
Da man keine Spaltung und keine Diskriminierung von Kindern und Kranken wollte haben alle die 5m eingehalten, was den Demozug ungeheuerlich in die Länge zog. Fand die Polizei dann auch wieder nicht gut ... irgendwie kann man es denen gar nicht recht machen!
Ca. 400 Leute (sehr grobe Schätzung), eigentlich zu wenig für eine so große Stadt. Aber gute Stimmung, Musik, Trommeln, recht gute, aussagekräftige Transparente.
Gegenkundgebung und zwei Blockaden durch "Anti"Fa und PARTEI - aber zusammen vielleicht nur 50, 60 Leute. Mehr kriegen sie derzeit nicht mehr auf die Straße. In Marburg hatte ich da Schlimmeres erwartet. Bei den Gegendemonstranten übrigens keine Abstände - und auch nicht alle mit Maske. Die dürfen das.
Polizei hat die Blockaden nach jeweils ca. 15-30 Minuten geräumt. Hätte schneller gehen können, aber immerhin.

Und abends in der Hessenschau: Bericht über eine Demo gegen Atomwaffen in Frankfurt mit 30 (dreißig!) Teilnehmern - von den ca. 400 in Marburg kein Wort. Und dann wundern die sich, wenn sie "Lückenpresse" heißen. War wohl nicht genehm, dass das Verhältnis von Demo zu Gegendemo so extrem war und die paar Hanseln der "Biontech-SA" das Ganze nur verzögern, aber nicht aufhalten konnten...oder dass es keine ordentlichen Ausschreitungen gab, die man den Demonstranten in die Schuhe schieben könnte.
Amateure - ich als Staat hätte ja genug Provokateure in die Demo eingeschleust! Na, kann noch kommen.

An sich halte ich nicht viel von Demos, da meist wirkungslos. Aber die Frage, ob eine Impfpflicht kommt oder nicht dürfte derzeit völlig unentschieden sein. Jeder einzelne, der jetzt seinen A... nicht hochkriegt und nicht auf Kundgebungen geht kann bewirken, dass die sich doch trauen. Jeder einzelne, der jetzt mitspaziert kann bewirken, dass die sich nicht trauen. Also...

Besten Gruß,
G.

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wer nur einen Hammer hat, sieht überall nur Nägel

Guter Beitrag, wie ich finde. Zustimmung! Hoffentlich kann ich beim naechsten Mal in der Hauptstadt dabei sein. Gottes Segen, Kiwi. OT

Kiwi @, Sonntag, 23.01.2022, 00:16 vor 166 Tagen @ Geminus 850 Views

Demos und Spaziergänge - Gewünschte Wirkung und Nebenwirkung

Wayne Schlegel @, Sonntag, 23.01.2022, 07:29 vor 165 Tagen @ Geminus 1431 Views

Unabhängig von der Tatsache, dass derartige Meinungsäußerungen zur Demokratiesimulation gehören und damit per se ausgeübt werden sollten - im Rahmen der Regeln -, ist die Frage, nach der Wirkung in der Sache.

Logischerweise gibt es verschiedenste Standpunkte, Anliegen und Auftritte der manchmal mehr homogenen, manchmal heterogenen Teilnehmerschaft.

Mich überzeugt die Ansicht am meisten, dass Trommeln, Transparente, happeningartige Attitüden eher auf die noch nicht positionierte "Rest-"Bevölkung negativ wirken und medial anknüpfend gehypte Ressentiments eher verstärkt.

Sollten solche Demos und Spaziergänge nicht eher demonstrieren, dass die Teilnehmer liebe und friedliche und rücksichtnehmende Menschen sind, denen sich offene, unentschlossene, sich einschätzungsmäßig alleine Fühlende und Entmutigte anschließen könnten? Also genau einen Kontrapunkt zu dem setzen, was die meisten Staatsmedien gerne darstellen möchten?

Trommeln, Parolen, Transparente, Verkehrsbehinderungauslösung
dürften unter diesem Aspekt für die Diskursoffenen/Unfestgelegten eher avers wirken. Und nur die Diskursoffenen, Unfestgelegten, Sich-nicht-Trauenden dürften überhaupt erreichbar sein. Die Festgelegten sind es definitiv nicht.

Gegenmeinung: Erst Trommeln, Pauken, Musik und Transparente haben das Wachstum der Bewegung ermöglicht.

Plancius @, Sonntag, 23.01.2022, 10:28 vor 165 Tagen @ Wayne Schlegel 957 Views

bearbeitet von Plancius, Sonntag, 23.01.2022, 10:34

Hallo @WayneSchlegel,

ich gehe nun schon seit vielen Wochen bis zu 5 mal die Woche auf den unterschiedlichsten Spaziergängen mit. Früher hat man mich nie auf einer Demo gesehen, vielmehr habe auch ich die verdi-Gewerkschafter belächelt, die sich die rote Plastiktüte übergezogen haben und mit Trillerpfeifen hinter Transparenten hinterhergelaufen sind. Auch ich bin eher ein konservativer Mensch hinter einer spießbürgerlichen Fassade, wo der Druck schon sehr groß sein muss, ehe ich aus der Deckung gehe und auf der Straße Gesicht zeige.

Aber die Würde des Menschen wird aktuell mit der Coronapolitik dermaßen mit Füßen getreten und der beabsichtigte Verlust des Rechts am eigenen Körper haben bei mir die rote Linie überschreiten lassen. Und dann muss die Wut einfach raus, insbesondere wenn den ganzen Tag der Irrsinn in Politik und Medien von den Kollegen und Kunden kritiklos nachgebetet wird. Wenigstens auf den Speziergängen möchte ich mal "normale" Menschen mit gesundem Menschenverstand treffen und mich mit ihnen austauschen.

Nach den vielen Demo-Besuchen muss ich konstatieren, dass die wirkungsvollsten diejenigen sind, die mit Trommeln, Pauken, Schalmeien, Musik und Transparenten (alle offiziell angemeldet) aufwarten. Die unangemeldeten Spaziergänge (ohne Musik, Pfeifen, Trommeln, Transparente) verpuffen jedoch völlig wirkungslos. Die paar Teilnehmer dort tauchen kurzzeitig in der Öffentlichkeit auf, werden von der Polizei kassiert, Personalien festgestellt, mit OWi-Verfahren belegt und können sich dann gegenseitig auf die Schulter klopfen, wie mutig sie doch sind. Unserem Anliegen haben sie jedoch keinen Dienst erwiesen.

Warum sind Trommeln, Transparente, Fahnen, Musik, Pauken so wichtig? Aus einem Grund - neben dem offensichtlichen Lärm und der damit erzielten Aufmerksamkeit bringen sie das soldatische, kämpferische Element in eine Protestaktion. Früher haben die Heerführer auch die Soldaten mit Trommel und Fanfaren hinter einer Fahne in die Schlacht ziehen lassen. Sie wussten auch warum.

Ich habe selbst erfahren, dass Trommeln, Pauken, Musik und Fahnen für die Demo-Teilnehmer einen kräftigen Motivationsschub bringen, die Hemmschwelle zum Skandieren von Parolen senken, der Kampfgeist wird geweckt, die Batterien werden aufgeladen, den täglichen Attacken im Kollegen- und Freundeskreis und in der Familie zu widerstehen und diese schreckliche Zeit im ganzen zu überstehen.

Und genau diejenigen Menschen, die jetzt noch hinter den Gardinen stehen, gilt es zu erreichen, die zwar auch voller Zorn sind, denen es aber nur eines kleinen Anstoßes bedarf, sie auf die Straße zu bewegen. Auch sie sehnen sich danach, mal im Kreis von Gleichgesinnten zu sein und ihre Wut einfach nach außen zu schreien. Wie oft höre ich von den Demo-Teilnehmern, welch große Erleichterung es bringt, einfach mal die angestaute Wut nach außen zu schreien.

Viele jetzt schon beachtliche Demos haben als stille Lichterspaziergänge begonnen. Diese Art des Protests hat sich aber schnell verschlissen, weil sie die eigenen Truppen nicht bei der Stange hält und auch nur wenig Außenwirkung, außer vielleicht einem Foto in der Lokalpresse entfaltet. Die Wut der Menschen, die sich auf die Straße wagen ist bereits so groß, dass sie nicht mit einem schweigsamen Lichterspaziergang eingefangen werden kann.

Am besten konnte man die Entwicklung an der für MeckPomm wegweisenden Demo in Wolgast verfolgen. In Wolgast waren von Anfang an Trommeln, Pauken, Fahnen, Schalmeien und Transparente vertreten. Ich vermute, das hängt damit zusammen, weil sowohl Wolgast als auch Anklam eine traditionell starke rechte Szene haben und daher von Anfang an Trommeln, Pauken, Fahnen und Fanfaren vorhanden waren. Das Wolgaster Orga-Team bringt zur anfänglichen Kundgebung interessante Gäste und Musik und hat daher schon frühzeitig Demo-Touristen aus anderen Landkreisen angezogen. Und genau diese Gäste haben dann erfahren, welche Wirkung der Spaziergang nach der Kundgebung mit Trommeln, Fahnen usw. bringt.

Auch viele andere Demos haben dann diese Elemente in ihre Spaziergänge integriert. Auf Ebay setzte ein wahrer Run auf Trommeln, Megafone, Fahnen und Pauken ein und trugen wesentlich dazu bei, dass auch diese Spaziergänge kontinuierlich von Woche zu Woche wachsen. Als stille, schweigende Lichterspaziergänge wären sie wohl schon in der Versenkung verschwunden.

Gruß Plancius

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Der Königsweg zu neuen Erkenntnissen ist nach wie vor der gesunde Menschenverstand.

Gut begründete Meinung zu laut-proklamatorischen vs. still-antinarrativen Demos. Dankeschön, auch wenn ich es anders sehe (s.o.) (oT)

Wayne Schlegel @, Sonntag, 23.01.2022, 12:05 vor 165 Tagen @ Plancius 503 Views

(oT)

Stimmt beides!

Geminus @, Hessen, Sonntag, 23.01.2022, 13:16 vor 165 Tagen @ Wayne Schlegel 678 Views

Ich denke Ihr habt beide recht - für jeweils verschiedene Menschentypen.
Aber die schon durch "etwas Lärm" Abgeschreckten dürften ohnehin diejenigen sein, die man nie, niemals, gar nicht auf die Straße kriegt. Und für die Teilnehmer war es wirklich ein Segen, das mit dem beschriebenen "Akku-Aufladen" funktioniert tatsächlich.
Parolen wurde übrigens kaum gebrüllt - die Aussagen kamen eher über die abgespielte Anti-Coronamaßnahmen-Musik mit durchaus lustigen Texten. Ich wusste vorher gar nicht, was es da schon alles an (zumindest textlich) recht gut gemachten Liedern gibt - die sollte man mal verbreiten.
Publikumsreaktionen (jenseits der kläglichen Gegendemo) sehr gemischt: Einige wenige "Scheibenwischer"-Gesten, etwas häufiger Beifallklatschen, meist aber nur stummes Gaffen.
Gruß,
G.

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wer nur einen Hammer hat, sieht überall nur Nägel

Demonstrationsverbote bzw. schikanöse Auflagen

Gernot ⌂ @, Sonntag, 23.01.2022, 13:37 vor 165 Tagen @ Geminus 858 Views

Meiner Meinung nach haben beide Demoformen ihre Existenzbereichtigung, besonders vor dem Hintergrund, dass angemeldete Demos zum Teil verboten oder auf 10 Teilnehmer usw. begrenzt werden, mit den geschilderten schikanösen Auflagen belastet oder von der Antifa angegegriffen werden.

Ein stiller Spaziergang, der nicht von Transparenten, Sprechchören, Lautsprechern, Fahnen usw. geprägt wird, mag Ordnungswidrigkeitenanzeigen oder sogar Strafanzeigen ausgesetzt sein.

Irgendwann wird sich juristisch durchsetzen, dass auch verabredetes Spazierengehen eben keine Versammlung unter freien Himmel darstellt, die eine gemeinsamene politische Willensäußerung darstellt und das Versammlungsgesetz darauf ebenso wenig anzuwenden ist wie auf einen Laternenumzug, den Marsch des Schützenvereins oder eine religiöse Prozession.
Das ändert sich natürlich, sobald eine gemeinsame politische Aussage getroffen wird.

Leider grenzen auch Veranstalter der Demos neuerdings aus. In Demoaufrufen für Dresden, glaube ich, habe ich gelesen, die Demo schlösse rechte und linke Extremisten aus.
Davon abgesehen, dass die Einordnung als "Extremist" neuerdings wohl dem Tagesbefinden der Einordnenden unterliegt, ist das schlichtweg falsch und sogar unzulässig, denn zur Versammlung unter freiem Himmel dürfen keine Personen ausgeschlossen werden (zumindest nicht, solange sie nicht objektiv stören).

Es besteht auch kein Grund, sie auszuschließen, denn sowohl Kommunisten wie Nazis dürfen z. B. für oder gegen die Maßnahmen oder Zwangsimpfungen sein und demonstrieren, ebenso sogar verurteilte Mörder, wenn sie nicht gerade im Gefängnis sitzen, Perverse, Pädophile, Drogenhändler, Waffennarren, Kampfhundbesitzer, Asylerschleicher und Schleuser oder wer noch alles auf dem Programm der "Täglichen fünf Hassminuten" (1984) steht.

Sie alle sind Träger ihrer Grund- und Menschenrechte; das haben auch "etablierte" Politiker imer wieder betont, wenn es z.B. um die Abschiebung kriminell gewordener Asylbewerber ging.
Wir erinnern uns vielleicht, weshalb ich mir das Forschen nach Verweisen (links) ersparen kann.

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