Kretschmann Unfall Ein paar Aspekte

Chris11, Sonntag, 13.09.2020, 10:20 vor 41 Tagen 4162 Views

Hallo,

da das Thema nun schon seit 2 Wochen durch die Presse geht und ein einjähriges Kind dabei zu Tode gekommen ist, ein paar Aspekte. die bisher zu kurz gekommen sind.

Vorab der Ministerpräsident als Mitfahrer hat außer seiner Terminplanung nichts damit zu tun. Er sorgt nur für das öffentliche Interesse.

Die Staatsanwaltschaft führt eine Ermittlung wegen fahrlässiger Tötung gegen den Vater des toten Kindes.

Bekannt ist bisher, das das gepanzerte Fahrzeug des Ministerpräsidenten vermutlich wegen Aquaplaning links in die Leitplanke eingeschlagen und dann auf dem rechten Standstreifen zu stehen kam.
Begleitfahrzeuge, typisch auch gepanzert, haben nach Zeitungsberichten "Am Standstreifen" die Unfallstelle "gesichert".

Ich habe nirgends "Auf dem Standstreifen" gelesen, also ist zu befürchten, das sie noch teilweise auf dem rechten Fahrstreifen standen. Was sie in der Situation sofort hätten machen müssen, mit mindestens einem Fahrzeug mit Blaulicht auf dem Standstreifen rückwärts fahren, um den ankommenden Verkehr frühzeitig zu warnen. Fahrer im Personenschutz bekommen eine gesonderte Fahrausbildung, daher kann von überdurchschnittlicher Fahrzeugbeherrschung ausgegangen werden. Weiterhin sollten sie in wenigen Sekunden die Situation überblicken und zielführende Maßnahmen einleiten. Das der Ministerpräsident nicht oder höchsten leicht verletzt war, war unmittelbar an seinem Fahrzeugzustand zu erkennen und per Funk zu verifizieren.

B7 gepanzerte Oberklassefahrzeuge haben eine Fahrzeugmasse von knapp unter 4 Tonnen. Entsprechend liegt der für den Aquaplaning-Einsatz wichtige Reifendruck bei um die 4 bar. Ein solches Fahrzeug schwimmt erst bei deutlich höheren Geschwindigkeiten auf, wie ein normaler PKW. Nachfolgender Verkehr wird damit garantiert an der gleichen Stelle bei schon geringeren Geschwindigkeiten aufschwimmen.

Was ich bisher den Nachrichten entnommen habe, hat das nachfolgende gepanzerte Fahrzeug genau an der Stelle gestanden, wo der Einschlag des nächsten normalen PKW zu erwarten war.

Dieser PKW hat sich bei dem Brems- Ausweichmanöver um 180 Grad gedreht, und ist mit der Rückseite in das nachfolgende stehende gepanzerte Fahrzeug gekracht. Auto-Crashzonen sind für einen solchen Fall nicht optimiert, schon gar nicht, um rückwärts in ein mit zusätzlichen Stahlplatten versehenen B7 4 Tonner zu krachen. Kindersitze für Kleinkinder sind für einen Vorwärtsunfall optimiert. Rückwärts funktionieren sie schlecht. Babys und Kleinkinder haben eine im Verhältnis sehr schweren Kopf, daher sind sie weit mehr gefährdet wie Erwachsene.

Das die Staatsanwaltschaft jetzt nur gegen den Vater ermittelt, halte ich für einseitig. Die nachfolgenden Personenschützer haben mit dem B7 eine Todesfalle mit erwartbarem Ergebnis aufgestellt. Das sollte viel genauer betrachtet werden. Wenn dort schon ein 4Tonner rausfliegt, so muß mit Aquaplaning von nachfolgendem Verkehr gerechnet werden.

Der Grund war nicht die Ursache sondern der Auslöser

Michael Krause @, Sonntag, 13.09.2020, 11:03 vor 41 Tagen @ Chris11 3051 Views

bearbeitet von Michael Krause, Sonntag, 13.09.2020, 11:07

(zugeschrieben Franz Beckenbauer).

Zunächst einmal, Kretschmann war der Fahrzeugführer (im Gegensatz zum Fahrer). Er hätte ihm sagen können, langsamer zu fahren.

Vielleicht war es auch ganz anders und das nachfolgende Fahrzeug ist nur deshalb in den verunglückte Kretschmann Panzer gecrasht, weil er aufgrund des Kretschmann Unfalls stark bremsen musste.

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Das einzige Recht des Sklaven ist das Recht auf Arbeit und das darf man ihm nicht nehmen.

Mir schleierhaft, wie dieses Kunststück gelungen ist

Mephistopheles @, Datschiburg, Sonntag, 13.09.2020, 13:26 vor 41 Tagen @ Michael Krause 2647 Views

bearbeitet von Mephistopheles, Sonntag, 13.09.2020, 13:29

Hab`ich auchmal fabriziert, in der Kurve auf nassem Kopfsteinpflaster mit eingelassenen Straßenbahnschienen. Eine 180 Grad-Wende, allerdings ohne Unfall und der Wagen kam dann auf der Gegenfahrbahn in Fahrtrichtung zum Stehen. Allerdings war das noch ohne ABS und ohne ESP.

Wie das trotz ABS und ESP möglich sein soll, eine 180-Grad-Kehre, ist mir schleierhaft. Würde ich mir hrutzutage nicht mehr zutrauen.

Gruß Mephistopheles

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Wenn wir nicht das Institut des Eigentums wiederherstellen, können wir nicht umhin, das Institut der Sklaverei wiederherzustellen, es gibt keinen dritten Weg. Hillaire Belloc

Bekannter war vor Ort

Martin @, Sonntag, 13.09.2020, 16:53 vor 41 Tagen @ Mephistopheles 2690 Views

Extremer Platzregen, gepaart mit Vertiefungen in der Fahrbahn, wo das Wasser nicht ablaufen konnte. Erwischt hat es Kretschmanns Kolonne gleich nach der Jagsttalbrücke, wo eben eine solche Vertiefung ist. Solche gab es schon auf der Strecke davor, wo fast zeitgleich auch ein Audi mit überhöhter Geschwindigkeit an die Mittelleitplanke 'geschwemmt' wurde (beobachtet vom Bekannten), dann aber mit zerkratzter Seite einfach weiter fuhr. Eine Stelle, die auch Kretschmanns Kolonne schon zuvor passiert hatte, ganz sicher nicht ohne Aquaplaning. Kretschmanns Fahrer hätte schon vorgewarnt sein müssen. 120 km/h war in dieser Lage das Maximum, der Audi war mit geschätzt 180 unterwegs. Wenn schon eine Ermittlung, dann gegen die Fahrer der Kretschmann-Kolonne.

Was die 180 Grad-Drehung angeht: Kretschmanns Kolonne muss ja die rechte Fahrspur teils schleudernd gekreuzt haben. Was macht ein Fahrer, wenn schwere Limousinen plötzlich vor ihm auftauchen? Da kann man beim Versuch, auszuweichen, schon mal das Lenkrad verreißen.

Dass es einen grünen Ministerpräsidenten getroffen hat, gibt zu weiteren Gedanken Anlass. Während die Grünen auf Tempo 120 drängen, kann der Normalbürger davon ausgehen, dass die Regierenden sich nicht an das Tempolimit hielten, notfalls das Blaulicht auf das Dach setzten. Wichtige Termine haben nur Politiker. Ich kann mich noch gut erinnern, wie Merkels Kolonne mit Blaulicht zum Wahlkampftermin fuhr. Immerhin hielt ich Kretschmann bisher für so honorig, dass er sich nach diesem tödlichen Unfall nicht mehr zur Wahl stellen sollte. Er ist der Auftraggeber des Fahrers, er treibt letztlich nicht nur diesen, sondern auch die Fahrer der Begleitfahrzeuge zu dem überhöhten Tempo an. Eine Untersuchung gegen den Vater einzuleiten und in der Zeitung kommunizieren, liest sich wie der Versuch, die Schuld auf diesem abzuladen, denn selbstverständliche Untersuchungen werden in der Regel nicht extra kommuniziert.

Weisungsgebundene Staatsanwaltschaft ermittelt.

Chris11, Sonntag, 13.09.2020, 22:42 vor 41 Tagen @ Martin 1268 Views

Das eine Staatsanwaltschaft aus Baden Württemberg ermittelt, ist IMHO der eigentliche Skandal. Die ist politisch weisungsgebunden. Wer das Verhalten und Verhältnis zur "Obrigkeit" in Baden Württemberg kennt, der kann den Ausgang sicher vorhersagen. Kein Staatsanwalt mit irgendwelchen Karriereintentionen wird gegen den eigenen Dienstherren ermitteln. Das hätte sofort von der Bundesanwaltschaft und BKA übernommen werden müssen.

Ein Dreher bei einem Ausweichmanöver an der Aquaplaninggrenze ist sogar sehr wahrscheinlich. Bremsen belastet die Vorderräder und entlastet die Hinterräder. Etwas Drehimpuls auf die Hochachse durch Einlenken oder unsymmetrische Wasserfolien und schon dreht sich das Auto. Das ESP hilft auch nur bis zu einer physikalischen Grenze.

180 bei Platzregen bzw Aquaplaning ist kriminell oT

aliter @, Montag, 14.09.2020, 17:34 vor 40 Tagen @ Martin 429 Views

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