Der Kampf gegen den Diesel-Pkw geht weiter

Otto Lidenbrock @, Nordseeküste, Freitag, 06.01.2017, 09:01 vor 2750 Tagen 5117 Views

bearbeitet von unbekannt, Freitag, 06.01.2017, 09:16

Der Kampf gegen den Dieselmotor in Pkw geht in eine neue Runde. Neuesten Studien zufolge (die MSM berichten heute ganz groß) sei der Dieselmotor in Pkw in geradezu dramatischem Ausmaß schmutziger als sogar in Lkw. Immer geht es dabei um den Ausstoß von Stickoxiden, die laut weiteren Studien für eine große Anzahl von Todesopfern verantwortlich zu machen sind und deshalb schnellstmöglich reduziert werden müssten.

Nachdem der Dieselmotor vor einigen Jahren wegen seines Rußaustoßes angeprangert worden war, diese Attacke aber durch den Einsatz von Partikelfiltern abwehren konnte, haben seine Gegner jetzt zum vielleicht finalen Todesstoß angesetzt, denn eine wirksame Reduzierung der Stickoxide im Dieselabgas würde diese Motortechnik nochmals teurer machen und damit unwirtschaftlich werden lassen.

Interessanterweise richtet sich die neueste Attacke nur gegen Diesel-Pkw, nicht gegen Lkw. Will man damit den Dieselmotor nur für Pkw ächten, damit sich Otto-Normalverbraucher ein neues Auto zulegen muss (natürlich nach Möglichkeit mit Elektro-Antrieb), die Spediteurs-Lobby und die Unternehmen des ÖPNV aber unbehelligt bleiben?

Hervorzuheben ist bei dieser Kampagne auch die völlig einseitige Berichterstattung. Es wird nur und ausschließlich über die Umweltschädlichkeit des Dieselmotors berichtet, die Gesundheitsgefährdung durch die Abgase des Benzinmotors wird überhaupt nicht erwähnt, als ob aus den Endrohren der Benziner nur Rosenduft strömen würde. Vermutlich geht es dem Benziner aber erst an den Kragen, wenn auch in den nächsten Jahren noch nicht genügend Elektrofahrzeuge auf den Straßen sind.

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"Eine Gesellschaft befindet sich im vorübergehenden oder finalen Verfall, wenn der gewöhnliche, gesunde Menschenverstand ungewöhnlich wird."

William Keith Chesterton

Der große Anteil an Diesel-Pkw in DE ist überwiegend der Steuer geschuldet

Plancius @, Freitag, 06.01.2017, 10:23 vor 2750 Tagen @ Otto Lidenbrock 3975 Views

Ich oute mich mal hier als Fahrer eines Diesel-Pkw.
Um ehrlich zu sein, bin ich jedoch kein überzeugter Dieselanhänger, sondern fahre einen Diesel-Pkw aus ökonomischen Gründen:

- geringerer Verbrauch
- niedrigerer Literpreis

Bei einer Fahrleistung von 40.000 km / Jahr stehe ich mir deshalb günstiger.

Sieht man jedoch folgende Punkte:

- höhere Lärmbelastung
- aufwändigere Herstellung
- größere Masse
- Partikelausstoß
- kompliziertere Abgasreinigung

... dann sprechen viele Punkte auch gegen den Diesel.

Ggfs. spricht sogar eine aufwändigere Herstellung des Diesels in Raffinerien gegen den Diesel, weil die Fracking-Anteile zugunsten von schwererem Diesel und zuungunsten von leichterem Benzin verschoben werden. Ich nehme jedoch an, dass der Rückgang der Ölheizungen hier den höheren Dieselanteil mehr als kompensiert.

Der hohe Anteil an Dieselfahrzeugen in DE ist nur den großen Firmenwagenflotten und steuerlichen Vorteilen geschuldet.

Ich persönlich hätte nichts dagegen, wenn der Anteil an Benzinern wieder steigt.

Gruß Plancius

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"Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad an Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand." ARTHUR SCHOPENHAUER

Benziner sind nicht sauber

Otto Lidenbrock @, Nordseeküste, Freitag, 06.01.2017, 11:05 vor 2750 Tagen @ Plancius 3794 Views

Ich oute mich mal hier als Fahrer eines Diesel-Pkw.
Um ehrlich zu sein, bin ich jedoch kein überzeugter Dieselanhänger,
sondern fahre einen Diesel-Pkw aus ökonomischen Gründen:

- geringerer Verbrauch
- niedrigerer Literpreis

Der Verbrauch eines Dieselmotors ist gegenüber einem in Leistung und Drehmoment vergleichbaren Benziner in der Tat deutlich geringer, zudem kostet Diesel weniger. Dafür sind Dieselfahrzeuge teurer in Anschaffung, Versicherung und Kfz-Steuer.


Bei einer Fahrleistung von 40.000 km / Jahr stehe ich mir deshalb
günstiger.

Das stimmt, in der Regel sind Dieselfahrzeuge trotz höherer Fixkosten auch schon bei geringeren Kilometerleistungen günstiger, als Benziner. Es gilt allerdings, den höheren Anschaffungspreis zu berücksichtigen!

Sieht man jedoch folgende Punkte:

- höhere Lärmbelastung
- aufwändigere Herstellung
- größere Masse
- Partikelausstoß
- kompliziertere Abgasreinigung

... dann sprechen viele Punkte auch gegen den Diesel.

Kann ich so nicht bestätigen. Von der objektiven Lärmbelästigung sind sie nicht lauter als Benziner, nur prinzipbedingt (Selbstzünder) etwas nageliger, hält sich aber ab 6 Zylindern in Grenzen, die Einspritzung regelt da vieles. Im Gegensatz zu Direkteinspritzer-Benzinern haben Diesel serienmäßig Rußfilter, rußen also weniger als vergleichbare Benziner. Benziner emittieren zudem Benzol, Kohlenmonoxid und Metallbestandteile ihrer Katalysatoren.

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William Keith Chesterton

Diesel mit höherer Kilometerlaufleistung und längerer Lebensdauer

EM-Financial @, Deutschland, Freitag, 06.01.2017, 17:43 vor 2749 Tagen @ Plancius 3111 Views

bearbeitet von unbekannt, Freitag, 06.01.2017, 17:54

Hallo Plancius,

ich war jahrelang zufriedener Diesel Fahrer (Skoda). Aktuell habe ich einen Benziner (C-Klasse 14 Jahre alt), weil auf die Schnelle kein Diesel aufzutreiben war.

Ich oute mich mal hier als Fahrer eines Diesel-Pkw.
Um ehrlich zu sein, bin ich jedoch kein überzeugter Dieselanhänger,
sondern fahre einen Diesel-Pkw aus ökonomischen Gründen:

- geringerer Verbrauch
- niedrigerer Literpreis

Bei einer Fahrleistung von 40.000 km / Jahr stehe ich mir deshalb
günstiger.

Eine Frage stelle ich mir dazu noch ob Dieselmotoren nicht auch eine längere Lebensdauer haben? Viele Benziner sind nach 200.000 Kilometern fertig. Alte Mercedes mit Dieselmotoren sehe ich aber hier und seit Jahrzehnten in Russland und Afrika noch mit >1 Mio. Kilometer rollen. Wenn dies generell stimmen sollte, dann kann man die Anschaffungskosten vernachlässigen, denn so ein Auto könnte man tatsächlich 30 Jahre lang fahren und am Ende noch vom Oldtimer Rabatt profitieren.

Wer sparen will, der darf nicht nur sondern muss eigentlich Diesel fahren.

Leider mag ich selbst die hochgezüchteten Motoren unter 2 Litern Hubraum gar nicht. Die Autos fahren sich sportlich, aber ich glaube immer noch, dass 2-3 Liter Hubraum und wenig PS deutlich mehr Laufleistung garantieren als diese 1.2-1.5 Liter Turbomotoren, egal ob nun Benziner oder Diesel.

Leider kenne ich mich aber nicht so gut aus mit Autos. Das ist nur meine Laienmeinung. Vielleicht kann mir ein Experte ja vermitteln, dass die neuen 3 Zylinder, 1.2 Liter Benzinmotoren mit 60-70 PS wie bspw. im neuen Skoda Fabia doch besser sind als es sich anhört. Da ich den Wagen mal als Mietwagen fuhr kann ich gegen den fast neuen Wagen nicht viel sagen. Für so wenig Leistung läuft der Fabia gar nicht schlecht (wenn man nicht gerade Berge fährt...). Nur ob der in 15 Jahren immer noch fährt?

Gruß
EM-Financial
P.S.: Was Politiker und Umweltschützer glauben oder sagen ist mir weitgehend egal. Meistens lügen die sowieso und ich fahre einfach immer, was für mich, am günstigsten ist.

P.S.S.: Wer noch einen alten Mercedes Baujahr 1975-1989 Diesel rumstehen hat, der sich in gutem Zustand befindet, und ihn loswerden möchte, darf mir gerne eine PN schreiben [[freude]]. Gerne nehme ich ihm die Last ab, damit derjenige sein Umwelt-Gewissen beruhigen kann.

Steuer(n)! Benziner verursachen mehr Feinstaub als Diesel.

Rumbidu @, Freitag, 06.01.2017, 11:06 vor 2750 Tagen @ Otto Lidenbrock 4092 Views

bearbeitet von unbekannt, Freitag, 06.01.2017, 11:34

Damit werden sie wohl ihre höhere (Umweltsau-)[[zwinker]] Steuer begründen, die kommen wird. Würden sie den Benziner genauso an den Pranger schreiben, wäre wohl der Widerstand der Bevölkerung zu groß. Salamitaktik ist die Devise. So freut sich der Benziner-Fahrer, über den dummen Diesel-Fahrer und ein paar Jahre später, muss er genauso zahlen.

Alle Direkteinspritzer emittieren Feinstaub und der ist beim Benziner sogar höher als beim Diesel.
http://www.3sat.de/page/?source=/nano/umwelt/162024/index.html

Wer also „umweltfreundlich“ unterwegs sein will, braucht einen „alten Stinker“.[[zigarre]]

Für Vielfahrer ist ein Elektroauto noch vollkommen uninteressant bzw. überhaupt nicht machbar, weil hohe Reichweiten überhaupt nicht möglich sind.
Wie weit kommt man bei -5 Grad und Heizung an!?

Die Studie geht für mich eher in die Richtung: Es kann nicht sein, was nicht sein darf.

Ein LKW/Bus als Benziner, brauch vermutlich das doppelte an Sprit.

Zusammengefasst: Nur durch kaufen u. verkaufen, gibt es einen Lohn.

Grüße
rumbidu

Es ist politisch gar nicht gewollt...

J. v. Liebig @, Freitag, 06.01.2017, 12:17 vor 2749 Tagen @ Otto Lidenbrock 3628 Views

bearbeitet von unbekannt, Freitag, 06.01.2017, 15:33

Die Dieseltechnik ist mit dem Common Rail-Verfahren (sehr hoher Einspritzdruck mit variablem Einspritzzeitpunkt) derart effizient geworden, dass man vielleicht bald mit 2 L Diesel auf 100 km fahren kann. Und das ist politisch nicht gewollt. Es geht um (Staats-)Einnahmen und eine Ausweitung der Kreditvergabe, sowie um Akquise bei der "Grünen Wählerschaft".


Weitere Entwicklungen stehen vor der Tür, z. B. elektronisch gesteuerte Ventilsteuerung und verschiedene Turbolader-Varianten.
All dieses wird die Effizienz der Diesel noch weiter verbessern.

Gruß v.L.

Kampagne ist objektiv der größte Schwachsinn

Martin @, Freitag, 06.01.2017, 13:02 vor 2749 Tagen @ Otto Lidenbrock 3987 Views

Erst mal zur Klarstellung: Der Vergleich zu Diesel-Lkw gilt nur den Lkw neuester Generation, und es ist kein Wunder, da die Lkw viel größere Reinigungsanlagen herumschleppen können als ein Pkw.

Der NOx-Ausstoß bei Dieseln ist zwar ein Schwachpunkt gegenüber Benzinern, und Grenzwertüberschreitungen gegenüber Laborgrenzwerten! lesen sich dramatisch, vor allem, wenn man sich als Organisation oder Rechtsanwalt eine goldene Nase verdienen will, dass aber diese selbst nach Euro5 Norm zugelassenen Diesel für NOx-Überschreitungen in Städten verantwortlich sind, dafür fehlt jeder Nachweis.

Merkwürdig: Das Umweltbundesamt behauptet, dass der NOx-Ausstoß durch Verkehr von 1990 bis 2014 (alles vor Euro 6) deutlich zurückgegangen sei, in derselben Zeit hat sich aber der Pkw-Diesel-Anteil verdoppelt https://www.umweltbundesamt.de/daten/luftbelastung/luftschadstoff-emissionen-in-deutsch...
. Ähnliches gilt auch für Messungen in den Städten. Verantwortlich für die NOx-Werte werden vor allem Lkw alter Norm gemacht (man möge sich mal die städtischen Fuhrparks anschauen, da ist kein Geld für Neuanschaffungen).

Da kann man an Grenzwertüberschreitungen im Realbetrieb herummäkeln so viel man will, sie sind offensichtlich für die aktuelle Luftqualität weitgehend irrelevant. Hinzu kommt, dass die Schädlichkeit von NOx selbst bei der WHO (ursprüngliche Quelle für Grenzwert) auf wackeligen Füßen steht.

Auf der anderen Seite wird Feinstaub als kritischer gewertet, die Benzinmotoren mit Einspritzung sind hier aber schlechter als selbst die Euro5 Diesel. Man kann zuwarten, bis hier die nächste Sau durch das Dorf getrieben wird (Fahrverbot in Städten, und so).

Du glaubst gar nicht, wie viele Leute auf diese Kampagne reinfallen.

SevenSamurai @, Freitag, 06.01.2017, 19:48 vor 2749 Tagen @ Martin 3127 Views

bearbeitet von unbekannt, Freitag, 06.01.2017, 20:35

getrieben wird (Fahrverbot in Städten, und so).

Dank PISA wird das leider kommen.

Ich persönlich würde gerne einmal eine Gesamtrechnung sehen:

Kosten für Anschaffung des Autos, Verbrauch über die Lebensdauer, Herstellungskosten (Raffinerie) des Diesels vs. des Benzins und der Additive, Wartungskosten, Schadstoffbelastung im Hinblick auf sämtliche Schadstoffe, Kostenverteilung bei Unfällen, Wirtschatflichkeit im Hinblick auf den Energiegehalt des Diesels, usw. etc. pp.

Dürfte sehr schwierig werden, da der Staat über die Steuer so abgreift, dass der Staat maximal verdient und die Rechnung verzerrt wird.

--
"Wenn ihr euch fragt, wie es damals passieren konnte:
weil sie damals (...)."
Henryk Broder

Kampf gegen Diesel, Relativierung

Leserzuschrift @, Freitag, 06.01.2017, 16:57 vor 2749 Tagen @ Otto Lidenbrock 3426 Views

Hallo,
nachfolgende Perle relativiert den Abgashype, wie ich meine.
Es gibt knapp 10.000 Containerschiffe weltweit.

Es ist kaum zu glauben, aber wahr: Die 15 größten Seeschiffe der Welt stoßen jährlich mehr schädliche Schwefeloxide aus als die ganze Pkw-Flotte der Welt.
Und: Laut Naturschutzbund (Nabu) schafft kein einziges der luxuriösen Kreuzfahrtschiffe die Abgasnormen, die für Autos oder Lastwagen schon lange gelten.
Ein einziger Ozeanriese auf einer Kreuzfahrt stößt so viele Schadstoffe aus wie fünf Millionen Pkw auf gleicher Strecke,
200 Kreuzfahrtschiffe nehmen es also mit der gesamten Pkw-Flotte der Welt auf.

Laut Weltenergiekonferenz emittieren die 400 größten Containerschiffe der Welt so viel C02 wie alle Pkw der Welt zusammengenommen.
Es gibt also viel zu tun, aber eben nicht nur für die Autoindustrie.


Hier der ganze Artikel bei n-tv: http://www.n-tv.de/wirtschaft/Der-Skandal-beim-Klimaschutz-article18932511.html

Mit besten Grüßen

Literaturhinweis

paranoia @, Die durchschnittlichste Stadt im Norden, Samstag, 07.01.2017, 11:52 vor 2748 Tagen @ Otto Lidenbrock 2762 Views

bearbeitet von unbekannt, Samstag, 07.01.2017, 13:46

Hallo Otto Lidenbrock,

mit Hilfe von Steueraufschlägen und administrativen Hemmnissen, z.B. den "Umweltzonen" wird dem Diesel-PKW der Garaus gemacht.

Diese gewollte Markträumung führt dazu, dass Millionen langlebiger hochwertiger deutsche Automobile lange vor dem Ende ihrer ursprünglichen wirtschaftlichen Nutzungsdauer gen Osten wandern und dort gerne weitergefahren werden.
Die Umweltbelastung bei Herstellung von Neufahrzeugen fällt bei dieser Kampagne geflissentlich unter den Tisch.

Der Inländer hat halt gegenüber seinem Staat weder Rechtssicherheit noch Investitionsschutz.

Für die Technikaffinen gibt es zur Entwicklung der Dieseltechnologie ein schönes Buch aus dem Jahre 1998:
Modernste Dieseltechnik aus dem Motorbuchverlag. Das Buch wurde offensichtlich im Dunstkreis des VW-Konzerns geschrieben, aber die technische Entwicklung bei BMW und Mercedes und anderen werden auch besprochen.
Der Text ist gut zu lesende Prosa mit vielen interessanten Bildern.

Gruß
paranoia

--
Ich sage "Ja!" zu Alkohol und Hunden.

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