Awdijiwka ist gefallen. Was kommt jetzt?

Plancius, Sonntag, 18.02.2024, 20:43 (vor 57 Tagen) @ Albrecht3796 Views
bearbeitet von Plancius, Sonntag, 18.02.2024, 21:07

Die Ukrainer räumen seit ein paar Tagen in Rückzugsgefechten die Stadt Awdijiwka. Von hier aus ist Donezk seit 9 Jahren ständig beschossen worden. Es ist traurig, dass die russischen Truppen 2 Jahre gebraucht haben, um diese Stadt kurz vor Donezk einzunehmen. Wahrscheinlich sind Zehntausende russische Soldaten und noch mehr Ukrainer in diesem Fleischwolf gestorben. Das Grauen dort steht Verdun oder dem Stellungskrieg an Somme und Marne vor 110 Jahren in nichts nach.

Die Ukrainer leiden an einem massiven Mangel an Munition, um den Russen angemessen Widerstand leisten zu können. Die Russen werden das Momentum jetzt wahrscheinlich nutzen, um tiefer in die Ukraine einzudringen.

Sowohl Selenskiy als auch der Westen werden es unter keinen Umständen zulassen, dass die Russen jetzt kurzen Prozess in der Ukraine machen und das Land einnehmen. Der Krieg muss unter allen Umständen in die Länge gezogen werden. Ziel ist es, den Russen mürbe zu machen, die russischen Verluste weiter anwachsen zu lassen, um so den Widerstand gegen den Krieg in Russland anzufachen und die Moral an der Heimatfront zu untergraben. Die ukrainischen Verluste spielen dabei keine Rolle, sie sind nur Bauern auf dem Schachbrett, die geopfert werden können.

Was können die Ukrainer aber nun tun, um das Vorrücken der russischen Truppen zu unterbinden? Auf dem Schlachtfeld in der Ukraine sind die Ressourcen an Waffen, Munition und auch Truppen begrenzt.

Man wird also versuchen, den Krieg ins russische Kernland hineinzutragen. Ich vermute, dass der Westen jetzt die nächste Eskalationsstufe zünden wird und Raketen mit mehreren 100 km Reichweite liefern wird. Auch deutsche Taurus werden mit hoher Wahrscheinlichkeit dabei sein. Warum sonst ist das Abkommen zum militärischen Beistand zwischen BRD und Ukraine letzte Woche geschlossen worden. Und Scholz sagte ja unmissverständlich "As long as it takes", was für mich auch heißt "Whatever it takes".

Da die Franzosen (wollen gerade mal 500 Millionen für den Ukraine Krieg dieses Jahr locker machen) als auch viele andere europäische Nationen den Geldbeutel nicht weiter öffnen möchten, die Amerikaner als bisheriger Hauptfinanzier der Ukraine keine weiteren Mittel mehr bewilligen möchten, bleibt wohl die Finanzierung des Krieges hauptsächlich an der BRD hängen.

Die eingeplanten 8 Milliarden für dieses Jahr werden wohl nicht ausreichen. Man sagte ja im vergangenen Jahr bei den Haushaltsberatungen auch, dass die BRD die Finanzierung der ukrainischen Seite anderer Länder übernehmen wird, falls diese ihren Finanzierungsvereinbarungen nicht nachkommen. Eine Mehrwertsteuererhöhung auf 21% ist ja bereits im Gespräch, neben den ganzen Schulden, die trotzdem gemacht werden.

Mal sehen, wie stressresistent sich die deutsche Wirtschaft den ganzen neuen Belastungen gegenüber erweisen wird. Das 0,3%ige Sinken des BIP im letzten Jahr war ja geradezu lächerlich angesichts der ganzen Belastungen. Man geht ja dieses Jahr von einem leichten Wachstum aus. Wir werden sehen.

Gruß Plancius

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"Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad an Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand." ARTHUR SCHOPENHAUER


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