Wie kann ein Nicht-Erleuchteter einen Erleuchteten erkennen?

neptun, Montag, 06.11.2023, 02:27 (vor 113 Tagen) @ Olivia1723 Views

Hallo Olivia,

Wir müssen mit der Dualität leben, dass wir sowohl auf Andere (und die Welt) projizieren als auch Andere (und die Welt) wahrnehmen.
Beides sind gültige Erkenntnismöglichkeiten.
Das Abwägen ist oft nicht leicht.

Das ist alles richtig.

Als Westler sind wir in der Lage, beide Welten zu verbinden.

Ich meine, schon dem alten Orakelbuch IGing entnehmen zu können, daß diese beiden Welten sich nicht voneinander unterscheiden, wenn es um den Weg nach Innen geht.

Z.B. Indien ist ein riesenhaft großes Land, auch was die Bevölkerungszahl anbelangt. Wenn ich höre, daß viele "Westler" das Gefühl haben, "heiligen Boden" zu betreten, wenn sie nach Indien reisen, runzele ich meine innere Stirn: Nach allem, was ich mitbekommen habe, sind die allermeisten Inder genauso "weltlich" wie die allermeisten "Westler".

Die Reise nach Innen, von der Du sprichst, ist meines Erachtens das höchste Ziel auch all dieser "allermeisten", auch wenn es diesen zumeist nicht bewußt ist. U.a. wird dieses Bewußtsein auch durch die von Dir angesprochenen Projektionen verhindert/verdeckt, weshalb es im Sinne des höchsten Zieles sehr wichtig ist, diese aufzulösen. So wie ich Krishnamurti verstanden habe, reicht dafür allein die Bewußtwerdung der Projektionen als solcher.

Im tibetischen Buddhismus beginnt die Reise nach Innen bei der Medidation mit dem Mandala.

Bei Sri Nisargadatta Maharaj beginnt und endet die Reise nach Innen bei der Medidation über das "Ich bin".

Ich weiß nicht, was Thankas sind.

Paul Watzlawik meinte, er habe nur zwei Menschen getroffen, denen er das Attribut der Erleuchtung zuerkennen könne. Auf meine Frage, welche das waren kam die Antwort: Graf Dürkheim und Sri Aurobindo.

Damit sind wir bei meinem Betreff:

Wie würdest Du diesbezüglich über Watzlawik selbst "urteilen"? Ich kenne diesen praktisch gar nicht und Dürkheim auch viel zu wenig, um etwas darüber sagen zu wollen/können.

Ganz subjektiv würde ich Sri Aurobindo trotz seines großen "Ruhmes" (oder sogar auch gerade deswegen) nicht dazurechnen.

Ich gebe Watzlawik insofern Recht, als es wohl nicht sehr viele unter den heute lebenden Menschen gibt. Wenn man sich in der (für mich weitgehend fragwürdigen) "esoterischen Szene" so umschaut, z.B. gibt es in Berlin ein sog. "Zentrum Erleuchtung", dann bekommt man nicht nur den Eindruck, daß es viel mehr seien, sondern es wird auch kommuniziert, daß es immer mehr werden.

Diese Leute können mich aber nicht mitnehmen. Vielleicht liegt das aber auch an meinem eigenen Zustand, in welchem ich mir selbst meiner "Erleuchtung" einfach nur noch nicht bewußt bin.

An dieser Stelle paßt noch ein Zitat ziemlich gut, wie ich finde (frei aus dem Gedächtnis):

Frager: Was ist für Sie der entscheidende Unterschied zwischen einem Erleuchteten, wie Sie es sind, und einem "normalen" Menschen wie uns?
Maharaj: Der einzige Unterschied zwischen Ihnen und mir liegt darin, daß Sie einen Unterschied sehen.
(fett von mir)

Noch mal zu meinem eigenen Urteil konkret:
So wie Watzlawik die beiden o.g. als solche bezeichnet, würde ich unter den nicht mehr lebenden Krishnamurti (gest. 1986) und Maharaj (gest. 197x) nennen, unter den noch Lebenden Mooji (derzeit ca. 70 Jahre alt)

Also auch nur drei. Die ersten beiden "kenne" ich nur über Bücher, letzteren sowohl von vielen Videos sowie von zwei mehrtägigen Besuchen bei ihm.

Aber das relativiert sich alles deutlich mit der im Betreff gestellten Frage. [[zwinker]]

LG neptun

PS: Wenig Musik, ja, okay. Aber gar keine?! Mmhh ... Wenn Du magst, hör' Dir mal das hier an:
Chopin Opus 9 Nr. 2
Sind nur gut vier Minuten.

--
Wählen? AfD!
Weil es permanent besonders aktuell ist:
"Es zeugt nicht von geistiger Gesundheit, an eine von Grund auf
kranke Gesellschaft gut angepasst zu sein." (Jiddu Krishnamurti)


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