Der Umgang mit Begrifflichkeiten

Miesepeter, Freitag, 05.08.2022, 10:45 (vor 60 Tagen) @ nereus1720 Views
bearbeitet von Miesepeter, Freitag, 05.08.2022, 11:10

Was ist dat schön?

@Ashitaka schreibt, Geld kauft nur einmal und @Miesepeter reagiert darauf mit: Geld kauft nie, es bezahlt.

Meine Herren, was ist denn der Unterschied zwischen dem Kauf einer Ware und dem Bezahlen einer Ware?
Das Herausnehmen des Produkts aus dem Regal ist noch kein Kauf.
Wenn man es doch macht, aber nicht bezahlt, wäre es Diebstahl.

Was sagt das Wörterbuch zum Kaufen? etwas gegen Bezahlung erwerben
Und was meint man dort zum Bezahlen? für etwas den Gegenwert in Geld zahlen

Hallo Frau Schulze,

für den Alltagsgebrauch ist Ihr Sprachgebrauch völlig zutreffend, sobald man die Dinge aber in ihrem Wesen durchleuchten und verstehen will, muss man Vorgänge, die zb an der Supermarktkasse nahezu zeitgleich stattfinden, genauer untersuchen und wird dann schnell zu allerhand Unterscheidungen und Differenzierungen gelangen.

So wird man feststellen, dass Inflation und Teuerung nicht identisch sind.

Hinsichtlich der Begriffe Kauf und Bezahlung wird man Ähnliches bemerken. Ich gebe Ihnen einmal ein Beispiel. Hier eine Kurzdefinition des Kaufes:

Der Kauf ist ein gegenseitiger Vertrag, durch den eine Verpflichtung zum Austausch einer Sache oder eines sonstigen Gegenstandes, insbes. eines Rechts (Rechtskauf) oder einer Sachgesamtheit, gegen Geld (sonst Tausch) begründet wird (§§ 433ff. BGB).

Ausführlich zb hier erläutert, Sie müssen sich aber nicht die Mühe machen, dies alles zu lesen, es wird ihre Einkaufspraxis nicht beeinflussen.

Festzuhalten ist jedoch, dass der Begriff "Kauf" einen Vertragsabschluss kennzeichnet, welcher unter anderem die Verpflichtung des Käufers zur Zahlung des Kaufpreises konstituiert und eine Geldschuld begründet (die regelmäßig auch durch Aufrechnung oder Leistung an Erfüllungs Statt erbracht werden kann).

Diese durch den Kauf konstituierte Schuld wird durch Übertrag von Geld (dem gesetzlichen ZAHLUNGSmittel), allgemein Bezahlung benannt, wieder gelöscht. Im Supermarkt geschieht dies meist unmittelbar, nachdem Ihnen die Kassiererin die Höhe der Verbindlichkeit bekannt gegeben hat. In anderen Zusammenhängen können zwischen Kauf(vertrag) und Bezahlung deutlich grössere Zeitabstände liegen.

Der Kauf ist also ein beidseitiger Willensakt, welcher die Verpflichtung zur Bezahlung beinhaltet, aber keinesfalls selbst mit der Bezahlung identisch ist.


Damit aber die Debatte höhere Weihen erfährt – alles andere wäre zu banal und dieses Forums nicht würdig, retourniert @Ashitaka:

Der Satz "Geld kauft nur einmal" beschreibt die debitistische Tatsache, dass mit allen bereits im System vorhandenen Geldsummen (d.h. ohne weitere geldpolitische Operationen/Kreditakte) nur noch Produktion vom Markt abgeräumt (verkonsumiert) wird, welche bereits in der Vergangenheit auf Basis dieser durch Kreditakt (=Kaufkraft) ermöglichten, sofortigen Fälligkeiten (Geldsummen) vorfinanziert werden konnte. Schließlich sehnt sich jeder nur dank der Abgabenforderung nach dieser sofortigen Fälligkeit (Geld).

Ich weiss auch nicht, warum Ashitaka dem Begriff "Kaufen" eine doch sehr exklusive Definition zuschreibt.

Auch wenn er den beschriebenen Vorgang anders bezeichnen würde, so hätte ich allerdings immer noch erhebliche Verständnisschwierigkeiten, denn es bezahlen ja niemals alle bereits im System vorhandenen Geldsummen die (komplette oder partielle) bereits bis zu diesem Zeitpunkt X vorfianzierte Produktion. Sondern es bezahlt immer nur eine atomistischer Teilsumme ein winzig kleines Bruchstück der verkauften Produktion. Teile der gesamten Geldsumme reisen munter von Besitzer zu Besitzer und "räumen" dabei das Vielfache ihres nominellen Wertes vom Markt (realiter begleichen sie die Verbindlichkeiten die bei der "Räumung" entstanden sind), andere Teile der Geldsumme landen in Dagoberts Geldspeicher und bezahlen gar nichts. Im gemittelten Schnitt ermittelt sich dann die Umlaufgeschwindigkeit, ein unglücklich gewählter Begriff für einen einfachen, aber legitimen Koeffizienten aus genannter Geldsumme und bezahlten Verbindlichkeiten auf Kauf und Leistung im Beobachtungszeitraum.

Betrachten wir das Gesamtsystem, so bietet Geld nur zu einem einzigen Augenblick inflationär wirkende (damit produktionsausweitende) Kaufkraft. Alles was zeitlich darüber hinaus aus diesen Geldsummen folgt, sind deflationär wirkende Sogkräfte (Konsum, Kapitaldienst).

Das sehe insofern anders, als nicht "Geld nur zu einem einzigen Augenblick inflationär wirkende (damit produktionsausweitende) Kaufkraft" bietet, sondern ceteris paribus jeder zusätzliche Verschuldungsvorgang nur einen Wachstumsimpuls bzw eine zusätzliche Nachfrage und Produktionsausweitung auslöst (welche dann ihrerseits eventuell weitere Verschuldungsvorgänge erfordert). Das somit auf ein neues Level gestiegene realisierte Wirtschaftspotential benötigt nun aber weiterhin gleichbleibende Nachfrage/Verschuldung zur Aufrechterhaltung dieses Potentials (ansonsten Rezession, erhöhter Schuldendruck usw)

Das mittels Kreditakt bereits geschaffene Geld schafft im Gesamtsystem keine zusätzliche Nachfrage / Kaufkraft / Inflation. Für letzteres, da sind wir uns denke ich seit vielen Jahren einig, bedarf es zusätzlicher Neuverschuldung (d.h. neuen sofortigen Fälligkeiten) mittels der die Produktion aufrecht und vermehrt werden kann. [/i]

Geld schafft keine zusätzliche Nachfrage, sondern ermöglicht bzw erleichtert nur die Bezahlung bereits eingegangener Verbindlichkeiten. Je mehr Geld vorhanden ist, desto leichter fällt die Bezahlung, das mag im Regelfall durchaus die allgemeine Verschuldungswilligkeit/Kaufwilligkeit steigern. Muss es aber nicht, Kaufzurückhaltung kann auch andere Ursachen haben als Geldmangel.


Wußten Sie das Frau Schulze?
Frau Schulze: Wie bitte?
Frau Schulze: Rutschen sie mir doch den Buckel herunter .. [[freude]]

Es war mir ein Vergnügen.[[herz]]

Gruss,
mp


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