Werter @Naclador

also, Freitag, 18.09.2020, 15:57 (vor 72 Tagen) @ Naclador587 Views

dann hältst Du das ganze Spektakel um Wirecard für inszeniert, für eine Schlacht im Wirtschaftskrieg
um Zahlungsdienstleistungsmonopole?

"Schlacht im Wirtschaftskrieg um Zahlungsdienstleistungsmonopole" möchte ich gerne ändern auf
Schlacht um Kontrolle für die Oberhoheit der Sanktionspolitik.

Hast Du Belege dafür, oder hältst Du es nur für plausibel?

Es gibt Belege. Die Plausibilität hoffe ich mit einer Erklärung einigermaßen darstellen zu können.
Folgendes liegt zeitlich außerhalb meiner NDA! und ist meine stark gekürzte Wahrnehmung.

Jänner 2010 wechselte ich aus einem verwandten Aufgabenbereich in das Projekt EU-TFTP bzw. TFTS.
Der Druck war enorm, es galt ein EU-eigenes TFTP zu erstellen, kompatibel zu US-Vorgaben.
Unser Problem: Aus den USA kamen keine Vorgaben. Trotzdem wurde im Juni 2010 die Vereinbarung
zwischen EU und USA unterzeichnet.

AGREEMENT
between the European Union and the United States of America on the processing and transfer of
Financial Messaging Data from the European Union to the United States for the purposes of the
Terrorist Finance Tracking Program (TFTP)

Wie schon erwähnt, der Druck war groß. Schon beim Flugdaten Abkommen (PNR) drohten die USA
mit einem Landeverboten für europäische Fluglinien, diesmal war der Druck um keinen Deut geringer.
Was nun? Unterschrieben obwohl TFTP-Projekt nicht abgeschlossen? Doch das klärte sich bald.
Anfang August 2010 veröffentlichte das US-Department of Treasury eine Art FAQ:
https://home.treasury.gov/system/files/246/Terrorist-Finance-Tracking-Program-Questions...
The answer for question 13. hat uns abgesägt, weil Unterstützung aus den USA gab es keine.
Am Ende wurde das US-System installiert. Was das bedeutet, das zeigte sich schon 2014.
Die Polizeien in den EU-Mitgliedstaaten müssen Finanz-Transaktions-Daten von EU-Bürgern in den USA abfragen.
Wir saßen ja damals in der Mitte zwischen EU-Kommission und US-Treasury. Ansprechpartner in Richtung EU
war Büro Cecilia Malmström, Richtung US-Treasury und FIU Mr.James Freis.

Freilich lernt man in dem Umfeld Leute kennen, die Informationsflüsse bleiben aufrecht, auch die Verwunderung.
Anfang Juni diese Jahres gab es ein Angebot, das Wirecard nicht ablehnen konnten.
Ein US-Amerikaner mußte in den Vorstand, egal wofür. Am 18. wurde er vorgestellt, James Freis.
Was den Prüfern EY und KPMG über Monate nicht gelang, das gelang ihm über Nacht. Der CEO mußte
am 19. sein Amt niederlegen. Am 20. war Freis der Chef. Einige unbedeutende Probleme ergaben sich noch.
Eine Notariatskanzlei meldete sich und behauptete, das wenigstens ein Konto existiert.
Die Fälschung von den Unterschriften der Vorstände zweier Banken galt bisher nur als möglich und
die Banken wollten die Milliarde noch gar nicht fällig stellen. Egal, Freis meldete am 24. die Insolvenz von Wirecard an.
Er mußte es tun, so heißt es. Ich meine, hier haben einige ihren Job getan.
Immerhin, was Wirecard aufgebaut hatte, das ist mit TFTP nicht vereinbar.

also

P.S.
Einen herzlichen Gruß an die Rückgradamputierten in Diessenhofen!


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