Selbstverständlich akzeptiere ich Deine Meinung, aber ich übernehme sie nicht für mich

helmut-1, Siebenbürgen, Donnerstag, 25.06.2020, 23:51 (vor 7 Tagen) @ trosinette395 Views

Es hat keinen Wert, hier mein leben aufzublättern, geht auch niemand etwas an. Wäre auch zu umfangreich, weil das, wodurch ich in meinem Leben gegangen bin, durch all die Höhen und Tiefen, da braucht ein anderer zwei Leben dazu. Wenn mir etwas in den Schoß gefallen ist, dann waren es meine beiden Frauen, die mir immer eine unentbehrliche Stütze waren. Vielleicht sind mir auch die Kinder in den Schoß gefallen, die alle richtig geraten sind und auf die ich mit Fug und Recht stolz sein kann. Aber als Eltern hat man dazu natürlich auch seinen Beitrag geleistet, - auch manchmal in nächtelangen Diskussionen mit den Kindern. Es kommt also nichts vom Himmel gefallen.

Meinen Kindern konnte ich aber genau das vermitteln, was Du eher ablehnst, - nämlich sein Leben in die Hand zu nehmen, sich ein Ziel zu setzen und mit Willensstärke Stein auf Stein zu legen, um das letztlich zu erreichen, was man sich vorgenommen hat.

Gerade vorm Supermarkt habe ich heute wieder das Gegenteil gesehen, einen zerlumpten Zigeuner, besoffen, herumgrölend, das Sozialamt ernährt ihn. Irgendwann hat der mal in der Bibel geblättert, davon bin ich überzeugt. Hat sich im Wesentlichen an Matthäus 6.25 + 26 orientiert.

Meine Tochter war im Gymnasium in die Fänge der Drogen geraten. Ich hab sie nicht unterstützt, ich hab sie fallen lassen. Ich wusste genau, dass sie erst dann, wenn sie "am Boden" ist und von sich aus - mit ihrem festen Willen - von dem Zeug ernsthaft wegkommen will, eine reale Chance hat. Genauso ist es auch gekommen. Heute ist sie eine anerkannte Psychologin und Psychotherapeutin, ihre Referate und Erkenntnisse kann man in den einschlägigen Fachzeitungen nachlesen. Im übrigen betreut sie auch Süchtige.

Mein großer Sohn hat sich als ursprünglich stotternder Schuljunge bei einer Spezialeinheit beim Militär angemeldet, diese Ausbildung bei der Kommandoeinheit durchgestanden, dann bis zum Unteroffizier weitergemacht und alle Kategorien absolviert, vom Kampftaucher bis zum Fallschirmspringen. Später auch KFOR -Einsätze im Kosovo, etc. Dann zur Polizei gewechselt, aber nicht als Quereinsteiger, sondern bewusst von ganz unten angefangen, als Schutzmann, bis zur Spezialtruppe der Cobra. Danach wieder Kurse gemacht, abends gebüffelt, anstatt mit den anderen in die Kneipe zu gehen, und das jahrelang, - bis er sich auf den Posten bei der Wirtschaftspolizei hingearbeitet hat, was sein Ziel war.

Das alles, was ich als Beispiel für die Kinder angeführt habe, geht nur mit eisernem Willen. Sie haben das alles ganz alleine geschafft, ohne besondere Hilfe der Eltern. Denen ist nichts in den Schoß gefallen. Beim Jüngsten wird man noch sehen, wie sich alles entwickelt, aber der ist aus dem selben Holz geschnitzt.

Vielleicht hast Du sogar so viel Glück auf Deinem Lebensweg gehabt, dass Willensstärke auf Deinem Weg nie von Nöten war und Du bist in Wirklichkeit der totale Willenswaschlappen und Du weißt es nur nicht.

Da muss ich dann doch was dazu sagen. Ich hab in meinem Leben einmal alles verloren. Das war Anfang der 80er Jahre. Da war ein Generalunternehmer und eine Anlagengesellschaft im Spiel und wir waren eine der vielen Satellitenfirmen, die an großen Bauvorhaben dort beschäftigt waren. Das war damals der große 7b - Abschreibungsboom. Einer der Geschäftsführer ist damals mit 2,8 Mio DM abgehaut, und die ganzen Satellitenfirmen kamen in Schieflage, wir auch. Einer, das weiß ich noch, der Inhaber einer kleinen Dachdeckerfirma, der hat sich umgebracht. Ich nicht, ich bin auch mit meinen Italienern selbst zum Amt und hab das mit dem Konkursausfallgeld organisiert, damit die was zu beißen haben.

Ich bin seit dem Jahre 1977 selbständig, und wenn jemand glaubt, dass einem da was in den Schoß fällt, dann lebt er auf einem anderen Planeten. Wenn Du Fontane usw. anführst, dann stelle ich dem meine persönliche Lebensregel entgegen. Für mich gilt ein altes Sprichwort, - ich glaube, es stammt aus der Steiermark:

"s' Niederfolln is koa Schand, oba s' Liegenbleibn".

Glaub mir, ich bin oft hingefallen im Leben, aber ich bin nicht liegen geblieben. Und das ist alles eine Sache des Willens. Da kann man mir erzählen, was man will. Ein Mensch, der keinen Willen hat, vor dem kann ich nie Respekt haben. Schon die Natur gibt uns das vor:

Nur der tote Fisch schwimmt mit dem Strom. Der Fisch aber, der gegen den Strom schwimmt, hat gute Chancen, auch einmal bis zur Quelle zu kommen.

Aber, wie ich schon anfangs erwähnt habe,- man braucht auch die richtige Frau dazu, um diesen Weg zu gehen. Nie werde ich vergessen, wie meine erste (verstorbene) Frau mit mir zusammen in der Mensa am Tisch gestanden ist und Plakate und Zeitschriften des MUT-Verlages verkauft haben (zufälligerweise Stuttgart). Damals gings in erster Linie gegen Stacheldraht und gegen den Todesstreifen hinter der Mauer. Hinter uns der Kinderwagen mit meiner kleinen Tochter. Links und rechts neben uns die Tische von dem ganzen rote Gesocks mit ihren revolutionären Ideen, die uns andauernd beschimpft und brüskiert haben. Wir waren nämlich die Einzigen, die "andersrum" waren.

Wenn man das als "Gnade" bezeichnet, die "vom Himmel fällt", dann weiß ich nicht mehr. Ich bezeichne das als Willensstärke.


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