Es gibt kein Zurück. Nur ein Vorwärts.

Miesepeter, Dienstag, 19.05.2020, 22:33 (vor 124 Tagen) @ DT2588 Views

> ich habe ja gesagt, wenn es einen Schnitt gäbe, wenn Deutschland das Joch des EUR abschütteln könnte und genauso Wirtschafts- und Finanzpolitik wie die Schweiz machen könnte, mit top high-tech Produkten, exzellenten Unis, super ausgebildeten Leuten vom Handwerker, Gesellen, Meister zum Ingenieur, dann könnten wir genauso davon leben, haben wir nämlich auch bis 1990.

Die Schweiz profitert ebenso vom existierenden System, und übernimmt zb auch den ganzen Unwert in ihre Notenbank ganz wie die EZB. Sie hat den Vorteil, dass sie allein zu klein ist, um ein Gebilde wie die EU aufrecht erhalten zu können. So würde es Baden-Würtemberg auch besser gehen, wenn sie nicht mit NRW, Bremen, Berlin und den ostdeutschen Ländern in einer Republik gefangen wären. Allerdings nur solange, wie man dennoch einen gemeinsamen Markt und eine gemeinsame (oder koordinierte) Währung hat, sonst würde man im Rest der Republik schnell wieder Wartburg fahren, und kein Daimler.

Bei einem Abbruch und Neustart des Systems würde es Deutschland so ergehen wie Russland 1990ff: Alle Forderungen/Guthaben würden abgeschrieben werden müssen, die komplette Industriestruktur müsste grundlegend auf völlig andere Angebots- und Nachfrageverhältnisse umgebaut werden. Das dauert 1-2 Jahrzehnte, in denen es 99% der Bevölkerung schlechter geht als vorher, und wenn das trotz der daraus resultierenden brisanten innenpolitischen Lage und der korrumpierenden Konkurrenz aus Asien klappt mit dem Schweiz/China 2.0 Programm, dann - und nur dann - geht es den Leuten nach erfolgreich bestandener Anpassung hinterher - in 15-20 Jahren - vielleicht besser als heute.

Wenn man sich das Führungspersonal anschaut, wenn man sich die nachkommenden Generationen anschaut, wenn man sich die politischen Überzeugungen der Bevölkerung anschaut, wenn man sich die internationale Wettbewerbssituation anschaut, dann ist es sehr verständlich, dass niemand freiwillig einen solchen Umbruch in die Wege leitet, nur weil einige meinen, dass man Madrid und Tel Aviv keine U-Bahn finanzieren sollte, sondern stattdessen Frankfurt an der Oder und Berlin.
Wobei "finanzieren" in diesem Zusammenhang heisst: man gibt einen Aval für einen Kredit, der nie zurückgezahlt werden wird, und dessen Guthaben schnell auf Konten deutscher Firmen landen.

Nein, die Welt von 1990 gibt es nicht mehr und wird es nicht mehr geben. Heute gibt es einen Weltmarkt, der 3-4 mal grösser ist, der nicht mehr von den USA und maximal 10 mittelgrossen industrialisierten Ländern beherrscht wird, sondern in dem es eine Menge neuer Konkurrenten mit sehr unterschiedlichen Stärken gibt, von denen viele in Teilbereichen konkurrenzfähiger sind als Deutschland. Diese gab es 1990 schlichtweg nicht, es war 1990 erheblich einfacher, eine wirtschaftliche Vormachtstellung zu halten als heute.

Auch die Angebotsstruktur hat sich verändert, heute mischt eben ein Siemens nicht mehr in 1000 Produktgruppen mit, sondern nur noch bei maximal 100, bei welchen die Produktionsstruktur aber derart optimiert und global ausgeweitet wurde, dass man führend den ganzen Weltmarkt bedienen kann. Bricht dieser Weltmarkt weg (analog zum Zerfall des Comecon 1990ff), dann ist diese ganze optimierte Struktur mit einem Mal hinfällig und völlig überdimensioniert. Mit dieser Struktur kann man dann nicht mal eben für diese 100 Produktgruppen in kleinerem Rahmen produzieren. Es bedeutet: Stunde Null. Neuanfang mit Abrissbirne für alle, die Karten werden neu gemischt.

Es mag ein paar Abenteurer und Hasardeure in der Bevölkerung geben, die das attraktiv finden. Ich bin mir sicher, mehr als 90% der Bevölkerung lehnen einen absichtlich herbeigeführten Zusammenbruch ab, und 100% der Grossindustrie. Angela Merkel vertritt diese 100% und muss die 90% bei Laune halten. Genau das tut sie, und schert sich dabei einen Kericht um die überzüchteten Verfassungsfundamentalisten. Sie hält den Laden am Laufen, und dafür wird sie wiedergewählt.


> Aber dann wäre das Joch von Versailles II nicht da und wir müßten nicht Hunderte von Mrd pro Jahr an die Besatzer und an die EU Blutsauger zahlen.

Es gibt historisch gesehen genau 2 Wege, Besatzer loszuwerden:

1) Sich gegen sie auflehnen, und hoffen, dass die Besatzer das Interesse oder die Kraft verloren haben und das besetzte Terrain freiwillig preisgeben.
2) Die Besatzer mit der Waffe in der Hand besiegen

Welchen Weg schlägst Du für Deutschland vor?

> Denn wenn ich nach Madrid, Barcelona, etc. fahre, sehe ich dort die neue Hochgeschwindigkeitsbahn von MEINEM abgepreßten Geld gebaut, die ich mir gerne in D wünschen würde, damit mein Hamsterrad etwas geölter laufen würde und nicht so quietscht.

Früher oder später wird man dich erhören. Dass in Deutschland wenig öffentlich gebaut wird, liegt keynesisch schlicht daran, dass die Arbeitslosigkeit zu niedrig ist, um grosse Investitionen in die Infrastruktur tätigen zu können. Sobald es eine dauerhafte Arbeitslosigkeit von 20% erreicht, kommen Infrastrukturprogramme auch in Deutschland so sicher wie das Amen in der Kirche.

Gruss,
mp


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