Meine Erfahrung mit Android/CyanogenMod

Leserzuschrift, Sonntag, 08.01.2017, 14:54 (vor 2747 Tagen) @ Fjord og Fjell3916 Views

Ich möchte hier mal ein wenig beschreiben, wie ich zu einem Smartphone kam, denn ich habe diese Technik aus Gründen der Sicherheit immer abgelehnt.
Nachdem ich für mein Moped einen Quickshifter gekauft und installiert hatte, ging es darum, diesen individuell einzustellen, wofür herstellerseitig Bluetooth via Android vorgesehen ist.

Also habe ich mir notgedrungen ein solches Gerät kaufen müssen und dabei auf folgende Dinge Wert gelegt:
- Batterie wechselbar
- beim Gerät lässt sich der Bootloader entsperren
- es gibt eine Version von CyanogenMod für das Gerät
- möglichst viel RAM und ein ausreichend großes ROM, plus erweiterbar mittels SDCard

Vorausschicken möchte ich hier auch, dass ich EDV-mäßig ausreichend bewandert bin (komme aus dem UNIX-Bereich, bin mittlerweile aber auch "Mausklick-Verblödet").
Mit meiner Suche bin ich letztendlich beim Asus Selfie ZD551KL (Mittelklasse) gelandet.

Nachdem ich meinen Quickshifter zufriedenstellend angepasst und eingestellt hatte, begann ich mit den Modifikationen am Smartphone.
Der Hersteller bietet auf seiner Webseite ein Tool (APK) an, mit dem man den Bootloader entsperren kann (Achtung: Die Garantie verfällt dadurch!).

Ich möchte hier deutlich darauf hinweisen, dass ich keinem Unbedarften eine Empfehlung gebe, dies alles nachzumachen!

Mir kam/kommt es im Wesentlichen darauf an, mich mit dieser Technik vertraut zu machen, denn einen PC (hier: Linux) kann ich zur Genüge verändern und absichern (bitte nicht als Eigenlob verstehen).

Der zweite Step war es, ein offenes Recovery-System zu installieren (hier: TWRP, es gibt eine Version für das ZD551KL).
Nachdem dies alles geklappt hatte, habe ich die zum Zeitpunkt aktuelle Version von CM13 (entsprechend Android 6.0.1 Marshmallow) runtergeladen, mittels adb aufs Phone übertragen und geflasht (installiert).
Auf die Installation der 'gapps' (Google-Apps) habe ich bewusst verzichtet, denn das war etwas, was ich unbedingt vermeiden wollte.
In der Anfangszeit habe ich jedes Nightly (täglich verbesserte Version) installiert und mir so eine kleine Routine angewöhnt im Umgang mit dem Smartphone.
Irgendwann kam dann der Punkt, wo ich darüber nachdachte, das Gerät auch mal zu benutzen.

Also habe ich mich informiert, was ich brauche und was nicht.
Installiert habe ich:
- eine Firewall (Netguard ohne Root nutzbar, wer diese installieren möchte - Achtung ab Version 2.45 besteht eine 'Verbindung' zu Google = nicht mehr empfehlenswert!)
- einen Ersatz für den Gello-Browser (= Google) - hier habe ich den Lightning-Browser.
- für schnelle Internet-Suche: DuckDuckGo Search & Stories
- OsmAnd mit Offline-Maps
- einen PDFViewer (the.pdfviewer3)
- einen Tracker für meine Touren (OSMTracker)
- EssentialPIM als Terminplaner

Alle diese Software (APK's) sind Opensource-Anwendungen, deren Sourcecode einsehbar ist (meist: Github) und die von den Herstellerseiten direkt heruntergeladen werden kann.

Die wesentlichen Veränderungen sind:
- IPv6 disabled
- eine 'hosts-Datei' mit über 150000 Einträgen
- sehr viele Sperren, die standardmäßig möglich sind
- Firewall-Sperren für Programme, denen ich den Internet-Zugriff nicht gestatte
und folgende Standard-Apps gelöscht:
- Calender
- CyanogenSetupWizard
- Gello (Browser, Basis = Chrome)
- LockClock (mit Wetter-Service)
- TimeService
Alle diese Apps stellen Verbindungen mit Google her.

Heute benutze ich mein Phone bei meinen täglichen Walks (Nordic, ca. eine Stunde), um Musik zu hören, dabei zeichne ich im Hintergrund meistens die Strecke auf.
Gelegentlich suche ich etwas im Internet und wenn ich irgendwo bin, schaue ich mir die Umgebung auf der Karte an (offline).
Was ich intensiver nutze, ist der Terminplaner und weniger die Kamera.
Meine Akku-Laufzeit beträgt neun Tage (das ZD551KL hat einen LiPo-Akku).

Dass ich immer ein aktuelles Backup habe, versteht sich von selbst. Wenn ich mal eine App teste, lösche ich danach alles, spiele die Sicherung zurück und bin auf dem Stand von vorher.
Wenn ich irgendwelche Änderungen vornehme, dann tue ich das über abd auf der Linux-Ebene mit Root-Rechten (hier nochmal der eindringliche Hinweis: Wer keine Ahnung von root hat, bitte die Finger davon lassen - das ist Operation am offenen Herzen!).

Ein Wort noch zum Thema Sicherheit: Bei Android darf man nicht fragen, was unsicher ist, sondern die Frage muss der Einfachheit lauten: Was ist bei Android sicher? Die schnelle Antwort lautet: Nichts...
Also, NIEMALS Geldgeschäfte mit einem Androiden tätigen!
Und an die Apple-Jünger: Ich möchte nicht in deren System gefangen sein, wo nichts (äußerst wenig, wenn) möglich ist und alles vom Unternehmen kontrolliert, verwaltet und gelöscht werden kann und auch wird.

Weil es gerade so gut passt, an dieser Stelle ein Wort an die Ubuntu-, Kubuntu- und Xubuntu-Anwender: Dieses System kann man locker mit Windows 10 vergleichen, der einzige Unterschied ist, dass die Daten halt zu Amazon gehen.
Aber bitte meine Kritik nicht so verstehen, dass ich irgendjemandem etwas vorschreiben oder andere bekehren möchte - jeder ist seines Glückes Schmied oder anders gesagt, für seine/ihre Daten verantwortlich (und viele fühlen sich ja auch wohl damit).

Empfehlung:
Obwohl CyanogenMod eingestellt wurde, würde ich es trotzdem wegen der Möglichkeit, Google zu entkommenam immer noch empfehlen - aber: Nicht Version CM14, entsprechend Nougat oder Android 7!
Warum nicht CM14? Das System konnte nicht mehr fertiggestellt werden und wie sich das Nachfolge-System (Unternehmen), LineAgeOS, entwickelt steht noch weit hinten in den Sternen.

Über CM13 bzw. Android 6 sind sehr viele Informationen abrufbar, speziell darüber welche Programme man ohne Risiko entfernen kann und wie in jeder neuen Version, dürfte Google bei Android 7 weitere (gefährliche) Hintertüren eingebaut haben.

Das Smartphone, das ich heute kaufen würde, obwohl kein Wechsel-Akku, wäre das Asus ZE552KL (auch Mittelklasse, Android 6, 5.5" Bildschirm, 8 Kerne, 4GB RAM und 64 GB ROM).
Warum? Es hat den aktuellen 3.18er Linux-Kernel und genau daran kranken die meisten Geräte, denn überwiegend kommt noch der alte 3.10er Kernel oder vereinzelt der 3.14er zum Einsatz.
Ein neuer Kernel bedeutet wesentlich mehr Sicherheit!

Ich hoffe, niemanden mit meiner Beschreibung zu langweilen oder gelangweilt zu haben und bedanke mich fürs Lesen.

Guten Start in die neue Woche.


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